25.05.2022

Interview mit Björn Carstensen & Kay Mathiesen

Gründer der Lemon Systems GmbH

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Wie habt Ihr beide Euch eigentlich kennengelernt und wie entstand die Idee für Lemon®?

Björn: Kay und ich sind beide immer schon von Apps überzeugt gewesen. Seit Steve Jobs 2007 das allererste iPhone hochgehalten hat waren wir total angefixt. Viele belächelten Apps damals, aber wir beide waren völlig fasziniert. Diese Leidenschaft haben wir immer aufrechterhalten und sie treibt uns auch heute noch an. Wir haben schon vor Lemon-Zeiten gemeinsam Apps für Kunden wie Henkel & Co Sektkellereien, Fürst von Metternich Sekt, Dr. Oetker usw. entwickelt und umgesetzt. Er als freiberuflicher Entwickler, und ich als Inhaber einer Werbeagentur. Das hat großen Spaß gemacht und wir wollten das immer mal vertiefen. Nur fehlte zunächst der richtige Ansatz.
 
Kay (mit schwärmendem Blick): Apps und vor allem Apple haben auch mich immer schon begeistert. Mein erster Rechner war ein Apple II. Der war damals noch völlig unbekannt. Ich weiß noch genau, als ich damals hörte, dass da jemand in Köln einen Apple II aus den USA importiert hatte, da bin ich sofort mit dem Zug hingefahren, hab den gekauft und habe direkt angefangen, darauf zu programmieren. Das war 1980. Mann, da war ich 20. Ich hab‘ damals mit einem Freund zusammen verschiedene Programme entwickelt in Flensburg. Mit dem Erlös daraus habe ich mir meinen ersten Macintosh verdient, als der auf den Markt kam. Der war natürlich irrsinnig teuer. Das konnte man sich als normaler Student eigentlich gar nicht leisten oder vorstellen, dass man sich so etwas kauft. Software-Entwicklung war immer schon meine Leidenschaft. Ich habe für verschiedene große Verlage entwickelt, alles von Sport-Tabellen Programmen bis hin zu Online-Lottoannahmestellen. 2007 gab es dann die bahnbrechende Entwicklung, die alles veränderte – das erste iPhone. Es gab überhaupt nichts Vergleichbares. Das hat mich total fasziniert und von da an habe ich mich absolut auf das iPhone fokussiert und nur noch iPhone Software entwickelt. Das war viel interessanter als alles, was ich vorher je gemacht habe…. (stutzt) … Wie war nochmal die Frage?

Wie entstand die Idee für Lemon und Mobile Learning?

Kay: Ach ja. Also nachdem wir für verschiedene Kunden bereits Apps entwickelt haben, kamen Björn und ich damals auf die Idee, eine Quiz-App zu entwickeln. Das war kein Kundenauftrag, sondern eine gemeinsame Idee, aus der ein Projekt entstand. Darüber sind wir dann endgültig zusammengekommen. Das Produkt Lemon hat hier seinen Ursprung. Ende 2016 haben wir dann die Firma gegründet.
 
Björn: Das hört sich jetzt so einfach an, aber aus meiner Sicht war das schon ein längerer Prozess.  Wie gesagt, ich hatte zuvor über 20 Jahre eine Werbeagentur und wenn man etwas so lange Zeit macht, kommen irgendwann Gedanken, ob das schon alles war und ob es da nicht noch etwas Neues, etwas Anderes gibt, das einen reizt und mit dem man sich beschäftigen möchte. Mit 25 hat mich vieles an Werbung fasziniert, was ich dann mit Ende 40 nur noch blöd fand. Und dazu kam der Verfall der Branche und der steigende Frust durch einen enormen Kostendruck. Ich dachte damals, wenn Du mit 50 vor 30-jährigen Marketingleuten sitzt und denen was erzählst, gucken die immer so ungläubig. Ich hatte dazu am Ende einfach keine Lust mehr und wollte es nochmal wissen. Die Idee und der Auslöser noch mal ganz neu durchzustarten, kam dann wirklich über unsere Quiz-App, die wir nebenbei schon zwei Jahre gemeinsam entwickelt hatten.

Eine Quiz-App war also sozusagen Euer allererstes gemeinsames E-Learning Projekt. Wie kam es dann zur Entwicklung Eures Mobile Knowledge Systems?

Björn: Ja, unsere unsere Quiz-App war – wie der Marktführer „Quizduell“ – ein interaktives Quiz-Game, technisch vielleicht sogar etwas besser, aber eben leider zu spät am Markt. Der Zug war abgefahren. Aber eines Tages klingelte dann mein Telefon und ein Pharmaunternehmen fragte mich, ob wir unsere Quiz-App nicht für sie zur Wissensvermittlung im Vertrieb umbauen könnten. Und das traf mich wie ein Blitz. Ich recherchierte die kommenden Wochen nach Gamification, E-Learning und kam auf das noch junge Thema „Mobile Learning“. Das fing an, mich brennend zu interessieren. Das Buzzword „Mobile Learning“ war ziemlich weit verbreitet, aber es gab überhaupt keine echten Mobile Learning-Angebote! Es gab nur einfach gemachte Web basierende Apps und da fingen wir dann an, uns wirklich tiefgehend damit zu beschäftigen, wie eine user-freundliche und nachhaltige Lösung aussehen muss.
 
Kay: Wir wollten ein richtig gutes Lernsystem entwickeln. Wir hatten Kontakte zur Haspa und hatten denen damals auch unsere Quiz-App vorgestellt. Sie haben uns dann eine andere Lernsoftware gezeigt, die sie im Einsatz hatten, mit der sie aber so unzufrieden waren damals. Die fanden sie (lacht) grottenschlecht. Und das war sie auch. Keiner wollte die benutzen. Aber sie meinten, wenn wir das so bauen würden wie unsere Quiz-App, dann könnten sie sich vorstellen, dass die Leute Spaß haben würden, sich damit auseinander zu setzen. Tja, das war dann der erste offizielle Auftrag. Björn hat dann direkt angefangen ein paar Layouts zu machen. Das haben wir dann präsentiert und das war die Grundlage für unser System. Die Haspa hat also praktisch Geburtshilfe geleistet. Und seitdem haben wir das System permanent weiterentwickelt.

Ist Lemon Systems eher Systemhaus, SaaS-Anbieter oder strategisch beratende E-Learning Agentur – oder von allem etwas?

Björn: Haha, eine gute Frage! Wir sind eigentlich als reines Systemhaus gestartet und dachten, da sind wir richtig gut und das können wir. Und mehr Service braucht bestimmt auch kein Kunde. Aber, mein Gott, da hatten wir uns wirklich geirrt. Unsere Kunden fragen alle fast immer nach strategischer Beratung, nach Hilfestellung bei der Content-Entwicklung und auch nach Beratung im Analytics-Bereich. Hier mussten wir umdenken und haben uns personell deutlich breiter aufgestellt, um diesen Anforderungen Rechnung tragen zu können. Und unsere Kunden spiegeln uns wider, dass sie das sehr gut finden und freuen sich über diesen erweiterten Leistungsumfang. Der Markt ist einfach extrem unübersichtlich, technisch super heterogen und oftmals noch sehr veraltet. Ich glaube, wir machen unseren Kunden hier ein richtig gutes Angebot – insgesamt oder eben auch nur in Teilen, ganz wie der Kunde es möchte.

Was macht denn ein richtig gutes Mobile Learning & Knowledge Management System für Euch aus?

Kay (sprudelt geradezu heraus): Ganz einfach! Ein gutes System muss vor allem ganz einfach zu bedienen sein, intuitiv ohne Bedienungsanleitung auskommen und Spaß machen. Es muss motivierend sein, das ist eigentlich die Hauptsache, die Leute müssen gerne damit arbeiten, weil sonst benutzen sie es nicht.

Und was macht einen guten Entwickler aus?

Björn: Ha! Das ist definitiv eine Frage für Kay.
 
Kay: Ein guter Entwickler ist jemand, der immer auch von der Userseite aus denkt. Der nicht nur seine Aufgaben sieht, sondern der immer auch daran denkt, was das für den User für Auswirkungen hat und immer überlegt, wie er die User Experience weiter optimieren kann. Er sollte selber gründlich testen, was er programmiert hat. Ein guter Entwickler sollte immer offen sein und nicht an seinen Sachen festhalten, sondern immer offen sein, sich weiterzubilden und immer wieder neue Sachen zu entdecken.

Wie sieht Euer Aufgabenbereich jeweils aus?

Björn: Kay verantwortet den gesamten Tech-Bereich der System-Entwicklung über alle Plattformen hinweg und steuert das gesamte Entwicklerteam von mittlerweile fünf Entwicklern. Naja, und ich mache halt den Rest und halte ihm den Rücken frei. Ich kümmere mich um das Finanzielle, das Personal, die Vertriebler, die Verwaltung und um die Außendarstellung des Unternehmens.
 
Kay: Und wenn ich mal nicht code und entwickle, gehe ich Kundenanfragen nach und forsche für Kunden, spiele auch ein wenig Detektiv, d.h. ich finde Fehler und behebe diese. Am Anfang habe ich auch Unterstützung beim Vertrieb geleistet. Aber reden ist nichts für mich. Ich codiere lieber. Und besser!

Wo sind jeweils Eure (unternehmerischen/fachlichen) Stärken und Schwächen?

Björn: Gute Frage. Ich glaube, wir beide ergänzen uns einfach richtig gut. Wir vertrauen uns blind – jeder weiß, dass der andere zu 100% hinter der gleichen Idee steht und absolut bereit ist, 200% dafür zu geben. Diese Leidenschaft, beispielsweise auch am Wochenende oder nachts zu arbeiten und alles zu geben, verbindet uns. Auch haben wir das Glück, dass wir beide uns von den Aufgaben her perfekt ergänzen – Kay ist ein absoluter Entwickler-Guru, dem keiner so schnell etwas vormacht. Er ist super intelligent und schaltet extrem schnell, das ist wirklich eine absolute Gabe.

Eure schwerste Herausforderung? Euer größter Erfolg?

Kay: Meine schwerste Herausforderung war der frühe Verlust meiner Eltern, als ich noch sehr jung war. Ich war 26 als mein Vater gestorben ist und 32, als meine Mutter gestorben ist.  Das war sehr hart, da habe ich lange mit zu tun gehabt. Mein größter Erfolg…? (blickt nachdenklich nach oben und lächelt dann) Ich glaube, der steht mir noch bevor!

Björn: Die größte Herausforderung für mich persönlich war sicherlich, mit Kay zusammen ein völlig neues Produkt für einen uns unbekannten Markt zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Diese ersten 4 Jahre waren sicher meine größte berufliche Anstrengung, ohne Zweifel. Nächte lang durchgearbeitet, Vollgas gegeben – ohne wirklich zu wissen, ob das am Ende auch alles so aufgeht – das war schon sehr hart. Alles aus eigenen Mitteln finanziert, alles zu Geld gemacht und ohne Fremdkapital das ganze Projekt gesteuert. Und es war dann schon ziemlich hart für uns am Anfang, als wir auf der ersten Messe standen und alle Besucher einfach an uns vorbeigingen! Es schien einfach niemanden zu interessieren! Die ersten Jahre waren hier sicher meine größte Herausforderung, ja.

Mein größter Erfolg. Hm (denkt nach…) Ich glaube, meine drei Kinder beim Erwachsenwerden zu begleiten, ja, das ist mein größter Erfolg. Das hat mich auf jeden Fall am meisten geprägt. Erziehung hat ja auch sehr viel mit Lernen und dem richtigen Weitergeben von Wissen und Werten zu tun. Und es macht unendlich viel Freude, wenn man seinen Kindern etwas von sich selbst weitergeben kann und sieht, wie sie einem vertrauen und zuhören.

eLearning und Mobile Learning in 5 – 10 Jahren?

Kay: Mobile Learning Anbieter gibt es eigentlich kaum bisher. Es kommen jetzt ein paar, aber mal sehen, ob sie das Zeug dazu haben. Das dauert. Unser Ziel war immer, das beste Mobile Learning System zu entwickeln. Und das ist uns gelungen. Vielleicht sind in 5 – 10 Jahren mehr Anbieter da. Im Moment meinen viele, dass eine Web-Lösung mobil sei, aber das ist natürlich Unsinn und überhaupt nicht zu vergleichen. Ich hoffe, dass Unternehmen die Chance und das Potenzial von Mobile Learning erkennen.

Björn: Hm… Ich bin schlecht im Vorhersagen – erst recht in solchen Zeiträumen. Aber wenn ich an eines glaube, dann ist es an die weiter wachsende Mobilität – in der Arbeitswelt und im Privaten. Das wird eher mehr als weniger werden. Wir werden noch viel mehr und auch noch ganz anders über Handys, Wearables und andere Smart Devices Wissen aufnehmen und verarbeiten. Wir haben da auch ein paar spannende Ideen in der Pipeline.

Lemon Systems in 5 – 10 Jahren?

Kay: Ganz klar: Wir werden den Markt bestimmen. Wir werden diese Nische erfolgreich besetzen, bestimmen und uns weiterhin behaupten, weil wir unser System permanent weiterentwickeln.

Björn: (lacht) Mal schauen, was die Zeit so bringt. China macht 10-Jahrespläne. Aber ich nicht. Davon halte ich gar nichts. Als Ziel hätte ich, dass wir uns unsere Neugierde bewahren und uns immer weiterentwickeln und den Markt weiter mitbestimmen können. Und mit unseren Ideen und Systemen den Menschen wirklich nachhaltig dabei helfen können, vollkommen frei und selbstbestimmt lernen zu können – wann immer und womit auch immer sie wollen. Ohne Regeln. Ohne Limits.

Ein persönlicher Traum, den Ihr Euch unbedingt noch erfüllen möchtet?

Kay: Ich möchte unbedingt noch viel reisen mit meiner Familie und meiner Frau Evelyn. Das habe ich bis jetzt vernachlässigt.

Björn: Ich möchte mal einen großen braunen Hund haben.

Über Lemon Systems
Die Lemon Systems GmbH mit Sitz in Hamburg wurde 2016 von Björn Carstensen und Kay Mathiesen gegründet. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung des Mobile Learning und Knowledge Management Systems Lemon® spezialisiert und macht digitale Lern- und Wissensinhalte in allen Sprachen und auf allen Geräten erlebbar. Mit Lemon® vereint das Unternehmen die drei Bereiche E-Learning, Corporate Knowhow-Distribution und interne Kommunikation für Teams und Mitarbeiter in einem Mobile Learning und Knowledge Management System.

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